
Zutaten
4 große Artischocken
1 Zitrone
12 kleine Kartoffeln
12 Möhren
100 g Erbsen
Salz
200 g Steinbeisserfilet pro PersonFür die Sauce
2 Knoblauchzehen, fein gehackt
3 Basilikumblätter, gezupft
1/2 TL milder Senf
1 Msp. Safran
25 ml Weißwein
1 Zitrone, ausgespresst
2 EL Olivenöl
3 Blutorangen
Zur Zeit besteht die Abteilung “Griechische Küche” in dem einzigen Hamburger Kochbuchladen aus einem einzelnen Buch mit dem schlichten Titel “griechische Küche”. Trotz des leicht angefledderten Einbandes entpuppte es sich schnell als gebundenes Gegenstück meines Resterampenfundes aus dem letztem Sommer. Sehr schade, dass die griechische Küche auf nicht mehr Interesse hierzulande stößt.
Auf den ersten Blick wirken die Rezepte des Buches rustikal und bieder, auf den zweiten Blick erkennt man: Das Styling bestimmt den Eindruck. Neben wirklich aufwändig angerichteten Speisen krümmt sich der Rosmarinzweig, das gefüllte Babatzim-Kaninchen wird von einem Grabgesteck umrahmt. Es wurde Zeit, dieses Buch einen Praxistest zu unterziehen.
Die Wahl fiel auf auf ein Fischrezept, laut Kochbuch “ein wunderbares Sommergericht mit einer mediterranen Note”. Nachdem Blutorangen aber jetzt im Winter bei uns auf den Märkten feil geboten werden, kam der Fisch im kalten März auf den Tisch. Nach einer knappen Stunde hatten wir ein sehr schmackhaftes Gericht auf den Tellern und das Rezept den Praxistest bestanden. Mit einer Einschränkung: Die Zubereitungsschritte sind zu knapp gefasst und auch die Reihenfolge machten für mich wenig Sinn. Auf jeden Fall war es hilfreich, das Rezept zuerst genau durchzulesen (was wir nicht immer machen) und Kocherfahrung schadete auch nicht. Bevor ich ein finales Urteil über das Buch fällen kann, wird noch das ein oder andere Gericht nachgekocht werden. Da es sich um eine Premiere handelt, ist dies mein März-Beitrag für das DKduW-Event von Foodfreak.
Zum Rezept: Letztendlich kann man jeden anderen Fisch auch nehmen, am besten Arten, deren Bestandszustand als noch gut eingestuft wird. Eine genaue Liste findet sich hier. Leider gehört der Steinbeisser nicht dazu, da hätte ich besser auf Tilapia ausweichen sollen. Beim nächsten Fischeinkauf werde ich mich vorher informieren oder gleich die Liste griffbereit im Geldbeutel haben.
Die Sauce fand ich zuerst zu sauer (was auch an meinen Blutorangen lag) und gab noch einen Teelöffel Honig dazu. In Kombination mit dem Fisch passte der Säuregrad aber sehr gut. Für Gäste würde ich diese zum Schluss durch ein feines Sieb geben und eventuell leicht binden, damit sie sämiger wird. Für uns war es ein gutes Essen am Ende eines langen Tages (der Grieche zufriedener als ich), nicht zuletzt dank der feinen Zutaten.
Zubereitung
Die Artischocken vorbereiten: Blätter abzupfen und das Heu entfernen. Eine genaue Anleitung per Video gibt es hier.
Möhren schälen und in Stifte schneiden. Kartoffel schälen und wenn nötig, halbieren oder vierteln.
In einem großen Topf Wasser zum Kochen bringen, salzen. Möhren und Kartoffeln hineingeben und 5 Min. köcheln lassen, dann die Artischocken und nach weiteren 5 Minuten die Erbsen dazu geben. Das Gemüse kann auch getrennt voneinander zubereitet werden, z.B. die Möhren in Brühe kochen und glasieren, die Erbsen durch Butter schwenken, die Artisckockenherzen mit Dill würzen.
Für die Sauce in einer Schüssel den gehackten Knoblauch, die klein gezupften Basilikumblätter und den Senf mischen. Salzen und pfeffern. Safran in Weißwein auflösen und hinzu geben. Zitronensaft und Olivenöl zufügen und verühren. In einem kleinen Topf die Sauce erhitzen und den Saft der Blutorangen dazu pressen. Die Sauce bei geringer bis mittlerer Hitze etwas eindicken lassen.
Die Fischfilets trocken tupfen und leicht salzen. Butter in einer Pfanne bei mittlerer Temperatur erhitzen und die Filets vorsichtig von beiden Seiten anbraten.
Die Fischstücke mit dem Gemüse und den Kartoffeln auf den Tellern verteilen und mit der Sauce anrichten.






Grabgesteck, *prust* köstliche Beschreibung :-) – das mit den Zubereitungsschritten ärgert mich auch immer wieder in Rezepten, wenn dann in Schritt 1 was gemacht wird was 10 Minuten dauert und in Schritt 5 die Anweisung kommt irgendwas ne Stunde simmern zu lassen und beides warm zusammen auf den Teller soll…
Die Sauce klingt prima, hier steht noch Limonensenf aus der Monschauer Senfmühle, damit und mit anderer Zitrusfrucht müsste das ja eigentlich auch gehen. Demnächst auf meinem Teller, danke fürs Rezept!
@Foodfreak Jaaa, Monschauer Senfmühle, die haben einfach die leckersten Senfe überhaupt! Bei mir kam Feige in die Sauce (fand das so griechisch), mein Liebling ist aber Honig-Mohn.
Heute werden derart viele Kochbücher produziert, dass unweigerlich ein guter Teil der Auflagen in der Wühlkiste landet. Wenn man das Auge dafür hat, findet man immer wieder schöne Trouvaillen, wie dieses Rezept hier.
Wenn ich mir das anschaue, verstehe ich auch nicht, warum griechische Küche nicht mehr Beachtung findet. Vielleicht sind die 0815-Teller der “typischen” deutschen griechischen Restaurants mit Riesenportionen Gyrosplatte o.ä. schuld daran und der “Brand” bzw. das blöde Gefühl im Mund durch zu viel Salz (und Glutamat?) am nächsten Tag schuld dran…
Dabei gibt es so viel anderes, frisches, leckeres, kreatives…
@lamiacucina Der Kochbuchmarkt ist wirklich ein Goldesel, der gehörig in Anspruch genommen wird.
@Barbara Ein Teufelskreis aus Angebot und Nachfrage. Allerdings tun die Griechen selbst auch wenig dafür, das Image ihrer Küche aufzupolieren, bzw. diese weiter zu entwickeln. Die bekanntesten Topköche der griechischen Küche habe zwar griechische Wurzeln, leben aber in Amerika (Jim Botsacos, Michael Psilakis), Australien (George Colombaris) oder England (Theodore Kyriakou). Aus Griechenland selbst hat mich bisher noch keiner mit seiner Kreativität beeindruckt.
Zum Glück beeindruckst Du uns. :-)
@Barbara Das ist aber nett von Dir, das freut mich sehr! Vielen Dank!! :-)
Ich esser derzeit auch viel Fisch. Tolle Sauce!
@Tobias Dann bist Du aber ein Light-Faster, oder? Manche essen ja nur Meeresfrüchte. Oder hat es nichts mit der Fastenzeit zu tun?
[...] auf Foodfreak? Aus dem kleinen Band mit griechischen Rezepte stellte ich ja bereits Steinbeisser in Safran-Orangensauce vor, damit ist dieses Buch für dieses Event schon vergeben. Experte Foodfreak, bitte enscheiden [...]
[...] mit Mittelmeereinschlag kocht Frau Monambelles – zwar fand das Buch, das sie vorstellt, schon einmal seinen Weg in den DKduW-Event aber so ganz furchtbar genau nehmen wir das hier nicht, ganz besonders nicht bei so einem [...]