Griechische Küche

Die griechische Küche gehört bekanntlich zu den mediterranen Küchen, die großzügig mit Olivenöl, Zitronen (wer braucht schon Ketchup auf seinen Patates, wenn ein Spritzer Zitronensaft genügt?) und Oregano würzt, lieber kocht und grillt als brät und frittiert und die ohne die großzügige Zubereitung von Gemüse nicht das wäre, was sie ist: gesund und lecker.

Dabei gibt es DIE griechische Küche nicht. Auf jeder der unzähligen Inseln kennt man regionaltypische Gerichte. Im Norden Griechenlands kann das der gegrillte Innereien-Spieß Kokoretsi sein, auf Kefallonia ist es die Fleischpastete Kreatopita. In den Bergen isst man Wildgerichte, am Meer bevorzugt man Fisch. Die unterschiedlichsten Kulturen haben ihre kulinarischen Samen gesät und die griechischen Hausfrauen verstanden es, osmanische, jüdische, venezianische oder auch slawische Einflüsse aufzunehmen und in ihre Küche zu integrieren.

Fest steht, ob Nord, Süd, West oder Ost – Weizenbrot ist fester Bestandteil eines Essens. Wie sollte man sonst die letzten Reste des feinen Olivenöls aufnehmen oder den Melinzanosalata dippen? Brot ist so wichtig für den stolzen Griechen, dass mein Schwiegervater sich in Deutschland weigerte, in ein chinesisches Restaurant zu gehen. Genießerisch einen Glückskeks durch einen Sojarest zu ziehen, konnte er sich nicht vorstellen.

Meistens beginnt man das ausgiebige Mahl in großer Runde mit Mezédes, die den ganzen Tisch bedecken. Neben Keftedakia (Hackbällchen) werden gern gekochte Zucchini, Horta (gekochtes Wildgemüse) oder Fawá serviert. Nun wird mal dort genascht, dies probiert und das genossen. Ich mache heute noch den Fehler, zu diesem Zeitpunkt zu schnell und zuviel zu essen.

Nach dieser ersten Runde wird entweder für jeden ein eigenes Hauptgericht bestellt oder der Gastgeber übernimmt die Auswahl der Speisen. Das kann Souvlaki sein, Barbúni Psitó (gegrillte Rotbarbe), Calamares oder auch Hühnchen. In diesem Fall werden verschiedene Platten in die Mitte der Tafel gestellt, von denen sich jeder bedient. Tut man dies nicht häufig genug, übernimmt es die Gastgeberin den Teller weiter mit Patates und Fleischspießchen zu beladen. 

Zum Essen trinkt man neben stillem Wasser, Weiß- oder Rotwein. Dieser kommt häufig aus Griechenland und wird unkompliziert in Karaffen serviert. Auch Bier wird gern getrunken, entweder „ein Rotes“ (holländisches Amstel) „ oder „ein Grünes“ (Heineken), die tatsächlich mit dieser Bezeichnung bestellt werden. Inzwischen ist auch das griechische Bier „Mythos“ weit verbreitet. 

Als Nachtisch reicht man oft Karpousi (Wassermelone) oder Peponi (Honigmelone). In Restaurants, die sich an der modernen europäischen Küche orientieren, stehen aber auch Baklavá, kleine Kuchenstücke oder einfach Eis auf der Karte.

Nun folgt ein ganz entscheidender Teil des gemeinsamen Essen: das Bezahlen. Der Gastgeber entfernt sich elegant von der Runde und wie durch Zauberhand ist die Rechnung beglichen. Gibt es aber keinen offiziellen Gastgeber und der Abgang wird bemerkt – ja, dann kommt die Liebe der Griechen zum Drama zum Vorschein. Wild gestikulierend wird um die Ehre des Bezahlens gerungen, beleidigt wird das Angebot des jeweils anderen zurück gewiesen und letztendlich wird der Disput nur unter leidenschaftlichen Versicherungen geklärt, dass natürlich beim nächsten Mal ausschließlich und ohne Widerworte der „Unterlegen“ bezahlen darf. Und natürlich geht dieses Theater beim nächsten Mal wieder los.

Ich versuche heute noch, meinem Griechen in Deutschland diese Verhaltensweise abzugewöhnen. Völlig umsonst. Und so sehe ich ihn wieder und wieder den eleganten Abgang proben, ohne auf die Kosten des anschließenden Schaukampfes zu kommen.