In die Ferne schweifen

Moderne griechische Küche in London

Moderne griechische Küche ist in Deutschland fast nicht auffindbar. Im Mazi ist man da schon um einiges weiter: Die Karte punktet mit Gerichten wie Beetroot, goat cheese and grape reduction, “Imam Baildi” aubergine, melted Stilton and caramelised onions oder auch mit Lobster with Orzo Pasta, lemon and dill.

Bei einem kleinen Tsipouro mit Lime und Mastiha an einem kalten Januar-Abend wählten wir mit Hilfe des freundlichen Kellners Speis und Trank aus. Auf der Getränkekarte geben sich Griechenlands bekannteste Winzer ein Stelldichein: Skouras, Hatzidakis, Gerovassiliou... Wir entschieden uns für einen unseren Lieblingsweine, den weißen Cuvee Axia von Alpha.

Bei der Speiseauswahl verließen wir uns auf die Empfehlung des Kellners: Die Portionen seien sehr klein, pro Person sollten wir je eine Vorspeise, je einen sogenannten hot plate nehmen und uns dann dem Hauptgericht widmen. Die Vorspeisen werden in Gläsern serviert und wir entschieden uns für Lentils, fresh herbs and cumin and smoked mackerel und Grilled Aubergine with soy and thyme honey. Unsere hot plates waren Feta Tempura with lemon marmalade and caper meringue und Grand Mama’s Meatballs in mint and sesame dip.

 

Danach wäre ein guter Zeitpunkt gewesen, den letzten Schluck Wein zu trinken und das Mahl zu beenden: Wir waren mehr als gesättigt. Aber nun folgte die Kür in Form einer Spinach Mousaka with Basil and Courgette purée und Braised Herb Crust Lamb and its shoulder Baklava.

Die Moussaka vereinte zarten Spinat mit rauchigen Auberginen auf Kartoffelstampf und cremiger Bechamelsauce. Auch wenn die Kombination auf den ersten Blick nicht zu passen scheint, harmonierten die Texturen und Aromen erstaunlich gut. Das Lamm kam etwas schwächer daher, trotz ein paar Tropfen dekorativer Sauce war das Gericht zu trocken und die dazu gehörende Baklava erstaunlich scharf gewürzt.

An ein Dessert war leider nach dieser Menge an Essen nicht mehr zu denken. Da stetig Gäste nachrückten, unser Tisch wieder vergeben werden sollte und der Geräuschpegel dank der schlechten Akustik sich in atemberaubende Höhen steigerte, räumten wir schnell unsere Plätze.

Insgesamt blieb ein mittelmäßiger Eindruck. Atmosphäre, Service und Karte waren top. Die Gerichte aber schrammten kurz an dem gegebenen Versprechen vorbei. Die geräucherte Makrele hatte kaum eine Chance gegen die stark mit Cumin abgeschmeckten Linsen. Die Kapern-Meringue schmeckte nur süß, passte geschmacklich aber gut zum salzigen Feta. Aber wo blieben die Kapern? Die Zitronenmarmelade hätte einen Schuss mehr Säure vertragen können, um mit der Feta-Tempura mithalten können. Absoluter Höhepunkt war die vegetarische Moussaka, ein absoluter Genuss.

Würde ich wieder hingehen? Ja, mit einigen Einschränkungen: Auf jeden Fall später kommen, in der Hoffnung, nicht ganz so schnell abgefertigt zu werden. Die Gerichte kamen in einer Geschwindigkeit, die eher an Formel1 denn an Schlaraffenland denken ließ. Lieber einen Blick auf den Nachbartisch riskieren, als der Mengenempfehlung des Kellners zu hören und eindeutig weniger bestellen. Und die Rechnung? London eben: sportlich.

MAZI
12-14 Hillgate Street
London w8 7sr
020 7229 3794

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