Meeresfrüchte, Mezedes

Gebratener Tintenfisch

Inspiration für Gerichte findet man überall: auf dem Markt, bei anderen Köchen oder eben auch in Literatur und Film. Der gebratene Tintenfisch tauchte nur in einer Randbemerkung auf, vielleicht hätte die umschwärmte Romanfigur ihn so zubereitet?

Zutaten

Für den Sud
1 kg Oktopus
½ Fenchelknolle
1 kleine Zwiebel
5 Knoblauchzehen
3 EL Olivenöl
2 EL Fenchelsamen
200 ml Weißwein
1 Lorbeerblatt
1 TL Pfefferkörner
4 EL Olivenöl
1/2 Bund Petersilie
fein gehackt
4 Knoblauchzehen
2 EL Zitronensaft

evi von kochen375 ist die aktuelle Gastgeberin des Blog-Events LVIII und hat sich das wunderbare Thema “Kulinarisches aus Film und Natur” ausgedacht. Gut passte es da, dass sich ganz oben auf dem immer höher werdenden Stapel meiner Reiselektüre ein oft und gern gelesener Klassiker befindet: Corellis Mandoline von Louis de Bernière. Dieses Buch liest sich besonders schön auf Kefallonia, denn dort spielt auch die Handlung.

Kern dieser sind die authentischen Geschehnisse auf der Insel während des 2. Weltkrieges, deren Schwere durch eine fiktive Liebesgeschichte zwischen der 17-jährigen Arzttochter Pelagia und einem Hauptmann der italienischen Besatzer, Antonio Corelli, gemildert wird. Während die junge Liebe der Phantasie des britischen Autors entspringt, hat die Besetzung der Insel durch die Italiener und Deutschen tatsächlich stattgefunden. Ebenso die geschilderten Massaker von 1943, während der tausende, teils bereits entwaffnete Italiener von der deutschen Wehrmacht getötet wurden.

Corellis Mandoline ist trotz aller Bemühungen um Genauigkeit ein Roman. Wer sich für historische Fakten interessiert, dem sei das Buch “Blutiges Edelweiß. Die 1. Gebirgsdivision im 2. Weltkrieg” von H.F. Meyer empfohlen. Natürlich wurde auch Hollywood auf den Roman aufmerksam und verfilmte ihn mit der zwar sehr schönen, aber so gar nicht griechisch aussehenden Penélope Cruz und dem Mann mit einem Gesichtsausdruck, Nicolas Cage.

Da der griechische Teil unserer Familie aus Kefallonia stammt, ist dieses Buch mehr als nur (eine) Geschichte für mich. Besonders liebe ich die Beschreibungen der humorvollen und auch etwas verrückten Dorfbewohner. Nicht ganz zu Unrecht wird Kefallonia auch die Insel der Verrückten genannt.

Zuerst wollte ich eine heimische Fleischpastete machen, eine Kreatopita. Dabei wird eine Teigumhüllung mit einer Mischung aus Fleisch, getrockneten Pflaumen und Reis gefüllt. Oder auch nicht:

Vater und Tochter setzten sich zum Essen hin,
klapperten beide mit dem Besteck
auf den Tellern herum und warteten, bis sie sicher
waren, dass der Italiener vor Hunger
sterben würde (…) “Das ist eine kefallonische Fleischpastete”,
teilte der Arzt ihm zu seiner Information mit,
“nur dass sie dank Ihrer Leute kein Fleisch enthält.”

Die Kreatopita kommt auf Kefallonia gern lauwarm auf den Tisch, diese Tage war es uns dafür doch zu heiß. Die schöne Pelagia serviert vor der Kreatopita einige Mezedes, kleine Vorspeisen, darunter eine Spinatpastete (die ich bereits für ein anderes Event vorstellte), Dolmades (die wir nicht mögen, aber von lamiacucina fein zubereitet wurden) und gebratene Tintenfischchen:

Carlos und der Hauptmann genehmigten sich
etwas von den kleinen Spinatpasteten,
den gebratenen jungen Tintenfischen und
den mit Reis gefüllten Dolmades.

Zu einem späteren Zeitpunkt der Geschichte küssen sich der Hauptmann und die Arzttochter während der Suche nach dem letzten Essbaren auf der Insel: Schnecken. Da streikte aber mein lieber Ehegatte, indem er den linken Mundwinkel leicht hinunter knickte und leise, aber bestimmt “Nicht so gern.” sagte. Also auch keine Schnecken, wir sind wieder bei den Tintenfischchen.

Doch was sind Tintenfischchen eigentlich? Die ganz kleinen Moscardini bekam ich leider nicht, Kalmare und Sepien wollte ich nicht und griff zu kleineren Oktapoden. Was für eine Arbeit! Da ich die Haut nicht so gern mag, muss sie ab. Das geht am leichtesten, wenn die Krake kräftig mit Salz eingerieben (sagt mein Fischhändler) und die Haut anschließend beherzt abgezogen wird. Beim nächsten Mal würde ich eher auf einen großen Oktopus zurück greifen anstatt mehrere kleinerer Exemplare. Und etwas Chili würde dem ganzen Gericht auch nicht schaden.

Ob Pelagia wirklich sich diese Arbeit gemacht hat? Das Herz Corellis jedenfalls eroberte sie in Sturm.

Zubereitung

Oktopus unter fließendem Wasser abwaschen und in einem Sieb abtropfen lassen. Haut abziehen und die Kauwerkzeuge entfernen. Fenchel waschen, Zwiebel schälen und beides in Scheiben schneiden. Knoblauchzehen schälen und leicht andrücken.

1 EL Olivenöl in einem Topf erhitzen, Fenchel, – samen und Zwiebel darin bei geringer Hitze anschwitzen. Oktopus und Knoblauch zufügen und ebenso ca. 5 Minuten anschwitzen.

Weißwein angießen und zum Kochen bringen. Soviel Wasser zufügen, bis der Tintenfisch gerade bedeckt ist. Lorbeer und Pfeffer zufügen und erneut alles zum Kochen bringen. Ca. 40 bis 60 Minuten köcheln lassen und im Kochfond auskühlen lassen.

Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und die Oktopusarme darin scharf anbraten. Vorsicht, spritzig! Sobald die Krake etwas Farbe annimmt, Knoblauch und Petersilie dazu geben und kurz mitbraten, dabei aufpassen, dass der Knoblauch nicht braun wird. Aus der Pfanne nehmen und auf einen Teller geben. Mit Zitronensaft beträufeln und servieren.

9 Kommentare zu “Gebratener Tintenfisch”

  1. Evi sagt:

    Corellis Mandoline ist dann wohl einer dieser Fälle, in denen man besser einfach nur das Buch liest. Ich hatte zwar vom Film gehört, brauche aber Cage nicht so unbedingt. Das Buch hingegen klingt gut!
    Oktopusärmchen finde ich zwar optisch unheimlich ansprechend, in den Mund schaffen sie es bei mir aber nicht. Ich lasse mich dann vom Duft betören. ;)
    Danke für deine Teilnahme! Deine Idee gefällt mir gut, es müssen nicht immer die offensichtlichen Rezepte sein. :)

  2. Isi sagt:

    Ich kenne das Buch nicht, da ich ja alles Griechische gerne mag wäre das bestimmt was für mich :-) Octapodi mag ich schon, aber selbst gemacht habe ich ihn noch nicht…

  3. Schöner Film, schönes Gericht.

  4. Christina sagt:

    “Die Insel der Verrückten” – das finde ich sehr sympathisch! :-) Und der Oktopus sieht lecker aus – esse ich sehr gerne.

  5. Tolles Foto und schönes Rezept. Ganz klassisch mediteran. Hab einfach zu lange keinen Oktopus mehr gegessen. Die Beschaffung ist ja auch immer ein kleiner Akt. Wird aber bald mal wieder gemacht. Gruss aus B…

  6. Susa sagt:

    @Isi Du wirst das Buch lieben! Wundert mich eh, dass Du es noch gar nicht kennst.

    @Tobias Wahrscheinlich ist der Film wirklich ganz schön, allerdings las ich zuerst das Buch und da kann die filmische Adaption vom Charme her nicht mithalten. Aber wenigstens hat er einigen Inselbewohnern zu Wohlstand verholfen :-)

    @Christina Meine Schwiegermutter wurde vor ihrer Hochzeit von einem Kunden gewarnt, sie könne doch keinen Verrückten heiraten, alle von der Insel seien wahnsinnig :-)

    @Berlin Oktopus kaufe ich sofort, wenn ich ihn sehe und friere ihn dann ein, sofern mir nicht sofort ein Rezept einfällt.

  7. Erich sagt:

    Die einleitende Geschichte gefiel mir sehr, nicht die Geschchte vom Hauptmann, sondern die Geschichte, die Du daraus machtest. Das Herz eines Soldaten zu erobern braucht nicht viel, da es in die Hosen rutscht, wenn “Frau in Sicht”, nicht Feind. Tintenfisch muss ich alleine essen, und dies mache ich vielleicht einmal jährlich, leider.

  8. Susa sagt:

    @Erich Freut mich, dass Dich die vielen Beine nicht vom Lesen abhielten :-) Meeresgetier muss/darf ich auch fast immer allein essen, daher sind Abende alleine meist ein kulinarisches Fest für mich.

  9. anja sagt:

    Auf der Suche nach einem Pulpo Rezept (in dem der Pulpo gebraten wird) bin ich auf Ihre Seite gestossen und das Rezept hört sich klasse an. Ich werde es definitiv ausprobieren. Grüsse Anja

Kommentieren